Aquaserge – neues Album im Februar und Tour im Dezember 2017

Long story short:
Chiffrierte Botschaften, Anadiplose und aquaserge-laisse-ca-etre-album-cover-hi-res-bearbeitetAutomatisches Schreiben, Dance Music Grooves gewürzt mit rhythmischen und metrischen Drehungen und Wendungen, Anklänge an italienische und französische Filmmusiken, ein dichter politischer und poetischer Subtext: das sind die Bestandteile von Laisse ça être, dem neuen Album der experimentellen französischen Popband Aquaserge, das am 03.02.2017 bei Almost Musique (Frankreich) und Crammed Discs (ROW) erscheint. Die Band ist so etwas wie eine Underground-Antriebskraft innerhalb der internationalen Musikszene; sie inspiriert und beeinflusst zahlreiche Musiker und Fans. Nach vielen Jahren, in denen die Band wie eine Nebelwolke in sich ständig verändernden Aggregatzuständen agiert hat, die mehr als sechzig Musiker in seinen Orbit gezogen hat und dabei Verbindungen und gemeinsame Arbeiten mit Bands wie Tame Impala, Stereolab, Melody’s Echo Chamber, Acid Mothers Temple und Aksak Maboul eingegangen ist, hat sich die Band nun zu einem starken Quintett entwickelt.

Short story long:
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Vorgängeralbums A l’amitié 2014 bei Chambre404/Arista kristallisierte sich die ständige Bandbesetzung von Aquaserge aus Benjamin Glibert (Gitarre und Vocals), Julien Gasc (Keys & Vocals), Audrey Ginestet (Bass & Vocals), Manon Glibert (Klarinetten) und den Schlagzeugern Julien Chamla und/oder Julien Barbagallo heraus.

Durch Sebastien Cirotteau (Trompete) und Olivier Kelchtermans (Saxophon) wurde dieses Line-Up für drei jeweils zehntägige Studiosessions, bei denen in einem kollektiven Prozess neue Musik entstand, erweitert. Im Gegensatz zu Aquaserges vorherigen Werken, die abstrakter und komplexer waren, standen dieses Mal Dance Music Grooves wie Afrobeat, Tango, Funk, Walzer, Samba oder Beats mit karibischen und krautrockigen Ansätzen am Anfang, um – wie es in dem Song „Les yeux fermés“ heißt – „as-yet-uncharted dances“, zu kreieren.

Nicht ganz unerwartet fügte die Band einige rhythmische und metrische Drehungen und Wendungen in die Grooves mit ein, um danach Harmonien und Melodien zu entwickeln, bei denen oft Arrangements mit Anklängen an italienische und französische Filmmusiken entstanden. Andere Quellen des polymorphen Sounds von Aquaserge sind u.a. Psych Pop, Free Jazz, Noise, Krautrock, die Canterbury Scene oder ZNR.

Einige der Songs wurden in nur einem Take aufgenommen, während andere einem aufwendigen Editing unterzogen wurden. Für die Aufnahme und Produktion sowie das Mischen des Albums war die Band selbst verantwortlich. Neu war, dass vier der Bandmitglieder Vocals beigesteuert haben.

Die Texte entstehen bei Aquaserge normalerweise erst, wenn die Stücke schon fertig konstruiert sind. Allerdings sind sie nicht das unwichtigste Element, denn wenn die Arbeit an ihnen beginnt, entsteht dadurch eine neue Phase der Improvisation. Dabei wenden die Bandmitglieder das Automatische Schreiben, das von den Surrealisten favorisiert wurde, Wortspiele oder Mittel wie Anadiplose an, bei dem jeder Satz mit dem letzten Wort oder einer Phrase des vorherigen Satzes begonnen wird. So bezieht sich der Text von „Tintin on est bien mon loulou“ zum Beispiel auf einen französischen Kinderreim.

Der Titel „L’ire est au rendez-vous“ stammt aus den ersten kodierten Nachrichten der französischen Résistance, die sie über die BBC als Signale für verdeckte Aktionen verschickte. Aquaserge schrieben eine Serie von Sätzen, die die Zustände im heutigen Frankreich, aber auch in Europa und der ganzen Welt skizzieren. Darunter der Aufstieg von populistischen, rassistischen und rechtsgerichteten Bewegungen, die Kommodifizierung von einfach Allem oder die von Spekulation getriebene Wirtschaft. Diese übersetzten sie in obskure Zeilen, die wirken wie eine Flaschenpost an diejenigen, die Widerstand leisten wollen.

In Aquaserges Werk gibt es einen politischen Subtext und der Albumtitel wirkt wie eine Ermutigung autonom zu werden und den großen Dingen ihren Lauf zu lassen, während man auf lokaler Ebene produktiv wirkt. Diese Haltung scheint in der rätselhaften, wie ein Mantra vorgetragenen Phrase zu stecken, die das Album abschließt: „Je garde un œil fermé quand j’ai les yeux ouverts. Je garde un œil ouvert quand j’ai les yeux fermés”.

Was also soll Laisse ça être genau bedeuten? Neben dem oben beschriebenen Ansatz erinnert der Titel in seiner englischen Übersetzung „Let It Be“ an ein weltberühmtes Album, das als Filmprojekt begann. Auch bei den Aufnahmen von Aquaserge spielte ein Film eine Rolle. Der Regisseur Guillaume Bordier hatte in Aquaserges Bauernhaus in der Nähe von Toulouse eine Weile selbst gelebt. Als die Albumeinspielung anstand, nutzte er dies für einen Film. Ziel war es, das Geheimnis der kollektiven Arbeit an einem Album zu erforschen: wie schafft es eine Gruppe solch unterschiedlicher Individuen ihre verschiedenen Persönlichkeiten miteinander in Einklang zu bringen und gemeinsam Musik zu schaffen? Alle Aufnahmen für das Album wurden dokumentiert und finden sich in einem Film mit dem Arbeitstitel Un Film d’Aquaserge wieder.

Das Album wird in Frankreich von Almost Musique und in allen anderen Territorien von Crammed Discs veröffentlicht.
Tourdaten:
08.12.2017 Berlin / Marie-Antoinette
09.12.2017 Köln / King Georg
10.12.2017 Hamburg / Nachtasyl
11.12.2017 Schorndorf / Das éclat

AQUASERGE
Das Debütalbum: Laisse ça être
VÖ: 03.02.2017
Label: Crammed Discs
Vertriebe: Indigo (CD) / PIAS (digital)
Bestellnummer: CRAM278
Formate: CD / Vinyl / Digital
EAN CD: 876623007685
EAN LP: 876623007692
EAN Digital: 5410377904156
Labelcode: LC: 08689

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