Max Clouth mit neuem Album Ende April 2024

Die Töne einer Shakuhachi-Flöte spannen sanfte Bögen auf, heben in sphärische Weiten, ein Vibraphon öffnet flirrende Räume, Gitarrenklänge setzen ein, führen die Bewegung fort. Wie ein Sternzeichen am östlichen Horizont bewegt sich „Aszendent” ins Offene. Der erste Track auf Max Clouths am 26.04.2024 erscheinendem Album Entelecheia setzt die Atmosphäre für das ganze Werk: Komplexe Akkorde, Klangfarben, die einander gegenüberstehen, sich ergänzen, manchmal bekämpfen, Live-Elektronik, ausbrechende Gitarrensoli, Elemente von indischer, persischer, westafrikanischer Musik. Manchmal gefasst, manchmal spontan, verspielt und improvisiert. Ein Album wie ein Leporello, ein Bilderkabinett.

Entelecheia ist ein Begriff aus der aristotelischen Philosophie und bezeichnet ein Individuum, das seine Vollendung als Ziel schon in sich trägt. Sowohl die ihm innewohnende Kraft zur Selbstverwirklichung wie auch der vollendete Zustand können damit gemeint sein. Der Titel passt zum Entstehungsprozess des Albums. Dazu Max Clouth, von dem fünf der sieben Kompositionen stammen: „Ich habe die Stücke im Vorfeld skizzenhaft angelegt – wie ein Notizzettel mit musikalischen Themen, die so freilassend sind, dass Platz ist, etwas Eigenes einzubringen. Vollständig wurden die Stücke erst durch unser Zusammenspiel.“ Die finale Form für die Kompositionen fand Clouth in einem mehrmonatigen Prozess der Postproduktion, in dem er die ursprünglichen Aufnahmen geschnitten, neu kombiniert und mit weiteren Elementen ausstattete.

Die Besetzung:
Für die Aufnahmen holte Max Clouth die Musiker*innen Marja Burchard, Bodek Janke, Maasl Maier, Kabuki und Tony Clark ins Studio. „Es ist meine persönliche Dream-Band! Was mich fasziniert hat, waren einerseits die instrumentalen Eigenschaften, aber mindestens genauso die Menschen an sich und das, was sich dann aus dem Kräfteverhältnis zwischen diesen verschiedenen Persönlichkeiten ergibt.“ Einige Tage waren sie in einem Studio im herbstlichen Schwarzwald: keine bereits existierende Band, sondern Musiker*innen, die zum ersten Mal zusammenfinden – wie bei einem erfrischenden Sprung ins kalte Wasser.

Max Clouth spielt auf Entelecheia zwei eigens für ihn gebaute Doppelhalsgitarren, die mittlerweile sein Markenzeichen sind. Sie vereinen westliche Gitarre, indische Sitar und das arabische, bundlose Saiteninstrument Oud.

Max Clouth
(Photo Credit: Oleg Kauz)

„Einzigartige Energie, kreative Menschen, außergewöhnliche Mischung von Sound, Rhythmus und Melodie“, so Bodek Janke, der mit Schlagzeug und Tabla dabei war, über die gemeinsame Arbeit. Für ihn war unter anderem die Mischung aus akustischen Instrumenten und dem Modularen Synthesizer reizvoll. Letzterer wird auf Entelecheia von der Frankfurter Drum’n Bass-Legende Kabuki gespielt: „Meine Rolle sah ich vor allem darin, den natürlichen Klangfarben und organischen Grooves etwas Mechanisches, sich stetig wiederholendes entgegenzusetzen.“

Mit Santur, Vibraphon, Wurlitzer und Stimme ist Marja Burchard zu hören. Sie schätzt „die Freiheit, mit der sich jede und jeder in diesem Album einbringen konnte und durfte. Jede einzelne Farbe kommt da so schön zum Vorschein. Viele Farben, die ich eingebracht habe sind auch unter anderem mit meiner Geschichte – die Gruppe Embryo, die von meinem Vater 1969 gegründet wurde und die ich seit seinem Tod weiterführe – verbunden.“ Marja Burchards Spoken Word-Passagen stoßen Bilder an, die – von der Musik getragen – zu poetischen Imaginationen werden. So zum Beispiel in „Aszendent“: „Fließende Atome, unsichtbare Wolken, über uns schwingende Federn aus Luft. Ein Atemzug.“

Nach diesem Atemzug folgt „Bernstein Purpur Gold”, ein Stück, dessen konkrete, zerebrale Metrik von der Leichtigkeit des Vibraphons begleitet in einen kontemplativen Raum mündet, den Marja Burchard mit ruhiger Stimme ausfüllt, wie ein Gebet, eine mystische Anrufung. Den Titel „Bernstein Purpur Gold“ wählte der synästhetisch begabte Max Clouth, „weil es für mich die Farben sind, der Harmonien, der Akkorde, die in dem Stück eine Rolle spielen: A-Moll ist für mich bernsteinfarben, Purpurrot ist G-Moll und C-Moll golden.“ Die Klangfarben und -Formen, die dabei zum Ausdruck kommen, könnten einem Gemälde der schwedischen Malerin Hilma af Klint entsprungen sein, der Clouth durch die Verbindung von Kunst und Spiritualität nahesteht. Das Cover von Entelecheia ist von ihren Bildern inspiriert.

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Wirkt „Bernstein Purpur Gold“ wie eine Erzählung aus dem Paradies, erscheint „Synthetic Stripes” als Reflexion des materialistisch-digitalen Zeitgeistes. Eine Dystopie in Krautrock-Tradition. Marja Burchard hat das Stück komponiert. Lakonisch, leicht entrückt einem Bewusstseinsstrom folgend, klingt ihre Stimme vor dem Hintergrund eines sich auftürmenden Zusammenspiels von Modularsynthesizer, Shakuhachi und Gitarre. Instrumentalsoli und verlorene Textfetzen blitzen auf, bis der Track in eine friedliche Atmosphäre mündet. Wird die Shakuhachi zumeist mit Japan, Zen und Meditationsmusik assoziiert, führt sie Tony Clark aus ihrem traditionellen Rahmen heraus: „Ich habe versucht, die Tiefe, die spirituelle Kraft des Instrumentes beizubehalten, dem Wesentlichen Ausdruck zu verleihen, was ich von meinen Lehrern gelernt habe und gleichzeitig ganz andere Töne zu spielen, eben neue Kompositionen. Das Ergebnis ist für mich interessant; die Melodien, das Tonmaterial scheint nicht so wichtig zu sein, wie der Atem, der Geist.“

„Emerald”, der vierte Track des Albums wurde von Kabuki komponiert. Über einen stoischen Rhythmus schrauben sich Clouths Gitarrensoli, Bassfigur und Vibraphon setzen Akzente. Ein Track, dessen repetitive Grundlage etwas Hypnotisches hat, das Zeitgefühl dehnt, bis seine kühle Strenge im letzten Drittel von einer ruhigen, fließenden Emotion kontrastiert wird. Ein neuer seelischer Raum ist erreicht. Nun setzt auch der Rhythmus wieder ein, ist jetzt aber mehr Herzschlag als Maschine.

Mit „Sadhu” folgt ein hell verspieltes Stück, getragen von Tabla und Gitarre. Dann erklingt der Titeltrack „Entelecheia” episch mit starker Innerlichkeit, einer Vereinigung von elektronischer Eckigkeit und akustischer Sanftheit. Kristalline Klänge schweben über Percussion und Synthesizer-Schraffuren. Wie für das gesamte Album charakteristisch, erfolgen auch hier mehrere Stimmungswechsel. Ein Tagtraum, eine musikalische Reise, die Marja Burchard mit flüsternder Stimme magisch bebildert. Den Abschluss des Albums bildet „Deszendent” getragen vom Zusammenspiel von Shakuhachi, Vibraphon und Gitarre über einer Ostinato-Sequenz des Synthesizers.

Pressetext von Christian Hillengass

Hintergrund:
Max Clouth, geboren 1985 in Frankfurt, studierte von 2005 – 2008 Jazz-Gitarre an der Hochschule für Musik Mainz und von 2008 bis 2009 an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Anschließend nahm er Unterricht bei Pandit Nayan Ghosh an der Sangit Mahabharati Music School Mumbai und bei Guitar Prasanna an der Swarnabhoomi Academy of Music. Zusätzlich studierte er von 2015-2018 Filmmusik-Komposition an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg.

Er komponiert für Film und Fernsehen, darunter u.a. Musik für „Freibadsinfonie / Blue Summer Symphony“ (Regie: Sinje Köhler, nominiert für den Studenten-Oscar), „Geschichte im Ersten: Der lange Weg der Sinti und Roma“ (ARD, 2022 – Regie: Adrian Oeser) und zuletzt „Das Leben ist kein Kindergarten” (ARD, 2023 – Regie: Sinje Köhler).

Max Clouth
(Photo Credit: Robert Zolles)

Seine mit dem Gitarrenbauer Philipp Neumann entwickelten Doppelhalsgitarren basieren auf orientalischen und indischen Saiteninstrumenten wie Oud oder Sarod. Mit seiner Gruppe Ragawerk/Max Clouth Clan entwickelte er einen Musikstil, der vom Mahavishnu Orchestra, Kraftwerk, Led Zeppelin sowie von Indischer Klassischer Musik und zeitgenössischer Elektronik inspiriert ist. Zusammen mit dem Frankfurter Elektro-Künstler Dan Bay veröffentlichte Max 2020 die EP „Voodoo Guitar“. Im April 2021 erschien die LP Lucifer Drowning in a Sea of Light, auf dem Max mit der Cellistin Sophie-Justine Herr und Kabuki am Modular-Synthesizer zu hören ist.

Max Clouth erhielt 2017 das Frankfurter Jazzstipendium. Seit 2022 unterrichtet er Jazz-Gitarre und Ensemble an der FMW Frankfurter Musikwerkstatt.

Weitere Informationen: https://www.maxclouth.com/

Max Clouth
Das neue Album: Entelecheia
VÖ: 26.04.2024
Label: L+R Records
Vertrieb: Bellaphon (CD), Zebralution (digital)
Katalognummer: CDLR585423
Formate: CD, digital
EAN/UPC: 4003099585423
Labelcode: 01998

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