Gunnar Ellwangers französisches Trio Gunwood mit neuem Album im Februar 2022

Wer bei dem Bandnamen „Gunwood“ an Waffen denkt, liegt falsch – das „Gun“ im Namen steht für Gunnar Ellwanger, einem in England geborenen Musiker mit deutschen Eltern und einem skandinavischen Vornamen. Seine Kindheit verbrachte er in Deutschland, seine Jugend in einem Pariser Vorort; weitere Stationen u.a in der Schweiz schlossen sich an, bedingt durch den Beruf seines Vaters. „Wood“ wiederum steht für den Baum, seine Wurzeln und Sprossen, die wie Lebenswege zusammen- und wieder auseinanderfließen, die zerbrechen oder wieder erstarken.

2013 wurde Gunwood zum Trio, als Gunnar in einem Proberaum den Bassisten Joao Francisco (Jeff) Preto und den Schlagzeuger und Perkussionisten David Jarry Lacombe traf und schnell das Potential in ihrem Zusammenspiel erkannte. Beide hatten schon ein Jahrzehnt an Studio- und Bühnenerfahrung u.a. mit ihrer Indie-Band Mamienco gesammelt und beherrschen eine breite Palette an Instrumenten, vom Banjo über die Ukulele und die Mundharmonika bis zur Perkussion, gerne auch mal alles gleichzeitig. So spielt David bei einigen der Stücke nicht nur Schlagzeug, sondern auch Keyboards und singt.

Nicht zu vergessen ihr Gesangsvermögen, für Gunnar ganz besonders wichtig, da er schon immer viel für Harmoniegesang übrig hatte. „Als Kind kam ich auf ganz natürliche Weise zum Gesang“, sagt er. „Meine protestantischen Großeltern lebten in einem Bruderhof in England, wo sie viel Gospel sangen. Diese Vielstimmigkeit mochte ich immer gerne, davon war ich besonders beeindruckt“.

Gunnar ist zwar Gründer und (zumindest halber) Namensgeber des Trios, aber Jeff und David sind an vielen der Studio- und Live-Arrangements sowie an Entscheidungen über Musikclips, Artwork und mehr beteiligt.

Die musikalischen Einflüsse auf Gunnar waren vielfältig. In seiner Kindheit und Jugend waren es vor allem aus der Stereoanlage seiner Eltern schallender Rock und Blues von Janis Joplin oder den Rolling Stones, Boogie-Woogie und Soul über seine Mutter und irischer wie auch amerikanischer Folk, Bluegrass und Blues durch seinen Vater, einen passionierten Amateurmusiker. „Meine ersten Versuche auf der Gitarre“, erinnert sich Gunnar, „waren entweder als Begleitung zu seiner Geige oder wenn er in vielen langen Stunden im Keller Blues spielte. Schon früh, als ich zehn oder elf war, hatte ich kleine Gigs auf der Bühne.“

Nach zwei Jahren Klavierunterricht entwickelte Gunnar eine große Leidenschaft für die Gitarre. Langweilige Aufgaben seiner Lehrer? Nicht sein Ding. Drei Stunden am Tag spielte er Rock ‚n‘ Roll auf seiner Gitarre, bevor er Mitte der 1990er Grunge à la Nirvana, Hardcore, Metal und Rage Against the Machine entdeckte, etwas, das alle drei Mitglieder von Gunwood miteinander verbindet. Auch Rock und Folk der 1970er Jahre von The Doors oder Neil Young bilden ein gemeinsames Band zwischen ihnen. Die Gunwood-DNA enthält Pearl Jam und Jeff Buckley, die Klangfülle von Feist und Half-Moon Run sowie die Energie der Black Keys. Was macht man mit all diesen Einflüssen, vor allem, wenn man sich noch nie für Schubladen interessiert hat? Einen über die Jahre hart erarbeiteten ganz eigenen Sound.

Eine erste EP erschien, und nach dreijähriger Vorbereitung im Jahr 2017 folgte das in den bekannten Pariser Studios Ferber aufgenommene Debütalbum Traveling Soul. Die französische Presse von France Inter über FIP und RTL bis zu arte feierte das Album und mehr als 120 Konzerte schlossen sich an, ob in Frankreich, Deutschland oder den Vereinigten Staaten. Gunnar fing parallel an, mit anderen Musiker*innen wie Nina Attal und Ben l’Oncle Soul zu kooperieren. Außerdem wirkte er bei Filmmusikprojekten mit. In Mia und der weiße Löwe von Gilles de Maistre sang er z.B. die Titelmelodie.

Das zweite, am 11. Februar 2022 erscheinende Album Dream Boat Jane ist in den renommierten ICP Studios in Brüssel eingespielt worden. Als Produzent war Jean Lamoot an Bord (Noir Désir, Alain Bashung, Brigitte Fontaine). Das „Traumschiff“ mit dem Namen Jane ist eine Ode an den Eskapismus, „ob Kunst, Parties, Träume oder tatsächliche Reisen“ so Gunnar, und ein Resultat der letzten beiden, in vielerlei Hinsicht lähmenden Jahre. Das Trio reifte in dieser Zeit und fand seinen eigenen Weg, ob mit der Folkgitarre im ersten Stück „Changing Out There“, das von der Unvorhersehbarkeit des Lebens handelt, ob in den druck- und spannungsvollen Stücken „Shades“ und „Rude Thing“, dem fröhlichen „Share A Little Freedom“ bis zum während des ersten französischen Lockdowns entstandenen Wiegenlied „Good Night Song“.

„Grow“ „ermuntert uns, die Unvollkommenheiten der Liebe und des Lebens anzunehmen“ so Gunnar, während „Bonfire“ von der „Symbolik ritueller Feuer in heidnischen Zeremonien handelt, der Idee, die Vergangenheit zu verbrennen, um ein neues Lebenskapitel zu beginnen“. „Auf dem ersten Album habe ich mir diese Art von Songs nicht erlaubt“, so Gunnar, „ein Song ohne Leid schien wertlos für mich. Bei diesem neuen Album ging es direkt zum Kern, zu den Emotionen, die ich im Moment spürte.“

Das Titelstück lehnt sich wie hochgeputscht von einem Gefühl der Freiheit an einen Boogie-Blues und eine Slidegitarre an, „Dear Starlight“ ist eine Ode an das Gute und bedient sich eines keltischen Chors, „Sparkles“ dagegen eher introspektiv. Das soulige, von einem verheerenden Erdbeben auf Haiti inspirierte Stück „Better Know Yourself“ stellt die menschliche Natur in Frage und liefert eine mögliche Teilantwort: „Please try to hold on to that innocent child”. In dem Stück kommt Jeffs Bass besonders gut zur Geltung.

Fragt man Gunnar nach den Songschreibern, die ihn inspiriert haben, antwortet er stattdessen mit Schriftstellern, Philosophen und Denkern des letzten Jahrhunderts von Hesse über Dostojewsky bis Nietzsche. Er ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und stellt sich den existenziellen Fragen, seinen Zweifeln und seinem Vertrauen in die Menschheit.

Gunnars Stimme ist unverkennbar, sie kann kraftvoll klingen und Schwäche zulassen, die in ihr mitschwingende Erfahrung hat klare Spuren hinterlassen. Man hört Anklänge an Kurt Cobain, Luke Kelly, Rhythm ‚n‘ Blues-, Rock ‚n‘ Roll-, Soul- und Reggaeinterpreten. Als autodidaktischer Musiker und Sänger wurde er vor allem von Begegnungen mit anderen Menschen geprägt: „Als ich 20 wurde, reiste ich nur mit einem Rucksack und einer Gitarre, um ohne Verstärker in den Straßen zu singen. So musste ich sehr laut singen.“

Tief im Boden verwurzelt, aber mit dem Blick zu den Sternen – das ist Gunwood.

Weitere Informationen:

https://www.gunwoodofficial.com/ (https://www NULL.gunwoodofficial NULL.com/)

GUNWOOD
Das neue Album: Dream Boat Jane
VÖ: 11.02.2022
Label: Zamora
Vertrieb: Groove Attack
Katalognummer CD: ZAMOCD2105
Katalognummer LP: ZAMOLP2105
UPC CD: 3700604739210
UPC LP: 3700604739227
Formate: CD, LP, digital
Labelcode: 55562

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