Èlg mit neuem Album Ende November bei VLEK

Am Anfang des kreativen Prozesses für sein neues, am 26.11.2021 erscheinendes Album Dans le salon du Nous durchlebte Laurent Gérard alias Èlg im Jahr 2019 eine mehrere Wochen anhaltende Phase der Schlaflosigkeit. Durch sie reagierte er hypersensibel auf die Schatten und die Stille der Nacht und die unablässigen Menschen- und Verkehrsströme am Tag. Alle Emotionen und Gedankenbilder wurden in die jeweils andere Richtung verstärkt und wie in Jahrmarkts-Spiegelkabinetten verzerrt. Alle Geräusche erschienen ihm ohrenbetäubend laut; wenn Laurent dann aber doch einmal eine Schlaf- und Ruhepause gewährt worden war, durchdringend und klar wie vor einem Sturm.

In diesem Zustand schlichen sich beständig paradoxe, mittelalterliche Gemälde in sein Bewusstsein, in denen sich Succubi, Dämonen, giftige Insekten, hungrige Wölfe und Feen mit vom Himmel fallenden Putten und Najaden gemeinsam in derselben Landschaft tummelten.

Die ersten Kompositionsansätze entstanden in dieser Phase. Laurents Idee war, die Stimme wie einen Schrei in der Nacht aus dem Bauch heraus zu holen sowie die Texte klar und nur mit einem Minimum an möglichen Effekten auszudrücken. Im Gegensatz zu seinen früheren Werken verspürte er ein Verlangen nach Unmittelbarkeit, so dass die Musik so roh wie möglich und unter Livebedingungen eingespielt werden sollte.

Laurent lud viele Musiker*innen zu diesen ersten Aufnahmen ein, die von seinem Bruder, dem Produzenten Mim, mitgeschnitten und produziert wurden: Mocke Depret und Claire Vaillier vom Duo Midget an Gitarre und Vocals, Radio Hito, Catherine Hershey und den Chor La drache an Vocals sowie Johann Mazé vom Trio France Sauvage als Perkussionist.

Nach einer Woche hatten sie sechs ihnen gegensätzlich erscheinende Stücke eingespielt: „Karl est en dedans“, „Convoi d’annonciatrices“ und „La mort roulée en nems” stehen für Zorn, Dualität, Wahnsinn und Dringlichkeit, während „Sous la chambre (la nuit)“, „la nappe d’urne“ und „Midi pin parasol“ die Ruhe vor dem Sturm repräsentieren. Laurent erkannte, „dass alle Stücke den Tod zum Thema hatten. Nicht als makabre Besessenheit, sondern als Zwischenstadium, als Erneuerung, als ein Neubeginn nach dem Sturm“.

In einer zweiten Phase zog er sich für mehrere Wochen allein in sein Studio zurück und nahm Kompositionen auf, die er im Gefüge noch vermisste. Es wurde eine lange Reise in verzerrte Bilder und Tagträumereien, pointiert von Rendez-Vous des Geschichtenerzählens. Das erste Stück „Fontanelles“ beginnt mit einer Serie von Autounfällen, von Körpern, die durch Windschutzscheiben geschleudert werden und durch die Atmosphäre gleiten. Das letzte Stück „nouvelles du bardo“ ist eine Doktorarbeit über die Träume der Toten und schwebt irgendwo im Limbo des jenseitigen Lebens.

Das Gleichgewicht des Albums durch die zwei Aufnahme-Phasen war gefunden. als Hörer*in fühlt man sich wie beim Durchschreiten eines grotesken Geisterzugs, erlebt alle vier Jahreszeiten auf einmal, den Tod, die Wiedergeburt, die Wut, die Stille, die Posse.

Der Albumtitel Dans le salon du Nous soll laut Laurent auf verdrehte Weise den uns allen eigenen, sehr intimen mentalen Raum benennen, in dem alle Gegensätze in einen gemeinsamen Topf geworfen und unsere Dämonen aufgescheucht werden; all unsere verrückten Interpretationen und Abschweifungen leben hier zusammen, um uns einen Platz in diesem gottverlassenen Universum einzurichten.

Dans le salon du Nous live:
Um sein neues Projekt auf die Bühne zu bringen, stellte Laurent Gérard eine Band namens Èlg et La Chimie zusammen, deren Besetzung tief in die rohe Energie des Albums eintauchen, seine Konturen neu zeichnen, und selbstbewusst die pop-affinste Seite von Laurents fragmentiertem Hirn präsentieren sollte.

In dieser Live-Besetzung spielt die vielseitige Musikerin Marie Nachury, die sich in Orchestern genauso wohl fühlt wie bei Rockbacchanalien (Furvent, The Grand Sbam, Arfi, Dur et Doux, Brice et sa Pute), mit der linken Hand Bass, mit der rechten die Orgel, singt und bedient dabei ganz mühelos mit ihren Füßen zwei marmorne Flötenpumpen. „Sie ist“, wie Laurent sagt, „ein Engel, sie ist eine Hexe“. Perkussionist Johann Mazé wird auch der Mann der 400 Hände und 800 Füße genannt. Sein Stil ist eine spannende Mischung aus kalt, heiß, steif, geschmeidig und äußerst organisch. Er kann jedes Lebewesen zum Tanzen und mit nur einem Klick zum Platznehmen bringen, und zieht aus seiner Aktentasche maßgefertigte elektronische Pads, die von einem früheren NASA-Wissenschaftler gebaut worden sind. Aus den Weiten des Kosmos kommt Aurore Debret zur Band, Mitglied von Dragon du Poitou und Komponistin unter dem Namen Or Or. Sie singt auf viele unterschiedliche Art und Weisen (und hat dabei einen typischen R’n’B-Vibe), sie spielt aber auch Violine und Synth und kann diese zum Weinen oder Schreien bringen. Zwar Mitglied der Band, aber im Verborgenen wirkt Alexandre Menexiadis. Seine Aufgabe ist die Live-Tonmischung und -Manipulation des Mastersounds, um noch mehr Pepp sowie kosmische Dimensionen hinzuzufügen. Er spielt wie auch Aurore bei Dragon du Poitou.

Die Band ist wie eine vierköpfige Hydra, die Poly-Melodien singt oder skandiert; sie prallen wie so viele kleine Galaxien aufeinander und bringen dabei eine neue Landkarte des Pophimmels zum Leben.


Hintergrund:

Seit dem Jahr 2004 malt der Musiker und Produzent Laurent Gérard alias Èlg das klangliche Äquivalent konzentrischer Spiralen und Labyrinthe aus Zedern, Dornengestrüpp und Eingeweiden. Er erneuert beständig sein Instrumentarium und baut mit ihm Brücken zwischen Musique concrète und Songwriting (Vu du Dôme, Mauve Zone), diagonalem Spoken Word und Wurmloch (Amiral Prose), elektronischen Beschwörungen in Krypten und Blob-Chören. Die Sprache kann dabei frankophon sein, aber manchmal auch einfach ein fremd anmutendes Gebabbel, das den alten Mann, den Verrückten, den staubbedeckten Wiedergänger, den epileptischen Barden oder den Liebesbringer heraufbeschwört.

Èlg
(Photo Credit: Johan Poezevara & Fabien Silvestre Suzor)

Èlg ist außerdem gemeinsam mit Jo Tanz das Duo Opéra Mort, ein Drittel von Orgue Agnès (mit Sourdure und Clément Vercelletto) und war früher mit Ghédalia Tazartès und Jo Tanz das Trio Reines d’Angleterre. Èlg gibt es auch als Band und heißt dann Èlg et La Chimie.

Er produziert Radioserien („Amiral Prose“ und „Capitaine Présent“), ist Filmkomponist (z.B. Les Particules von Blaise Harrison, nominiert in Cannes) und schreibt Musik für das Theater (Violences von Léa Drouet, La Grande Remontée von Pauline Simon).

Er ist alleine oder mit Bands in ganz Europa, der Türkei, Ägypten und den USA aufgetreten und seine Alben sind über Labels wie Kraak, SS-Records, Lexi Disques, Three:Four Records, Editions Gravats, Hundebiss Records, Alter, SDZ, Bo’Weavil oder Nahazphone auf der ganzen Welt veröffentlicht worden.


Weitere Informationen:

https://www.instagram.com/amiral_prose/ (https://www NULL.instagram NULL.com/amiral_prose/)
https://lachimie.bandcamp.com/ (https://lachimie NULL.bandcamp NULL.com/)
https://www.facebook.com/elgchimie (https://www NULL.facebook NULL.com/elgchimie)
https://www.discogs.com/fr/artist/907801-El-G (https://www NULL.discogs NULL.com/fr/artist/907801-El-G)

Èlg
Das Album: Dans le salon du Nous
VÖ: 26.11.2021
Label: Vlek
Vertrieb: A-Musik
Katalognummer: VLEK35
UPC CD: folgt
Formate: LP, digital
Labelcode: kein LC

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