Neues Album von Baloji am 02.12.2011 bei Crammed Discs

“I’m Goin’ Home… nakuenda”. Mit diesen Worten endete Balojis letztes Album Hotel Impala. Für den Belgier kongolesischer Herkunft, der 1978 in Lubumbashi (Demokratische Republik Kongo) geboren wurde und im von Krisen geschüttelten Wallonien aufwuchs, standen diese Worte für einen Neuanfang. „Dort drüben fühle ich mich nicht besonders kongolesisch und hier fühle ich mich nicht besonders belgisch.“ Das war das Hauptthema des Albums – eine Identitätssuche eines Anfang Dreißigjährigen, der in seinen Texten sein bisheriges Leben beleuchtet. „Das Album ist meine Antwort auf eine Frage meiner biologischen Mutter während eines Telefonats im April 2005, die lautete: ‚Und was hast du so die letzten 25 Jahre gemacht’?“.

„I’m Goin’ Home“ – so beginnt auch der Song „Nakuenda“ (= Rückkehr auf Suaheli) auf Hotel Impala, eine Adaption eines Themas von Marvin Gaye, der – genau wie Baloji auch – im Jahr 1981 in Ostende ankam. Über sein Heimatland Kongo sagte Baloji im Dezember 2007: „Ich kann mir vorstellen, dort zu leben – irgendwann einmal. Ich muss auf alle Fälle zurückgehen. Ich habe keine Wahl.“ und er gestand ein, dass sein Interesse an afrikanischen Sounds, von Dollar Brand bis Balafon, „einem Instrument, das das Potential hat, mit elektronischen Instrumenten zu harmonieren“, beständig wuchs.

Ende Oktober 2008 ging sein Wunsch in Erfüllung. „Eine belgische Institution kam mit der Anfrage auf mich zu, ob ich einen Creative Writing Workshop inklusive Abschlusskonzert organisieren könnte. Aber ich wollte erst eine Platte aufnehmen. So ging ich im April für eine Woche rüber [in den Kongo], um diese Gegend zu erkunden. Sieben Monate später brachen wir dann mit unseren Computern, Soundkarten, ein paar Mikrofonen und einer Lunchbox bewaffnet auf…“. Gemeinsam mit zwei Komplizen im Gepäck: Sound Engineer Cyril Harrison und Bassist Didier Likeng, die Arrangements in der großen Tradition des Chorgesangs in Kamerun schrieben. Die Aufgabe war es, ein Album einzuspielen, das wie eine Vorort-Version von Hotel Impala klang. „Die Grundlagenarbeit war getan, nichts war auf dem Papier, alles war improvisiert.“

Eine Woche lang gaben die Musiker des kongolesischen Schmelztigels alles: ein Trio aus Balafonen, Stimmen aus allen Stimmlagen und –farben, Erzähler, Toaster, Soul Sisters, die komplette Gruppen Zaïko Langa-Langa, Konono No. 1 mit ihren Likembes, das Vokalensemble La Grâce…. Die meisten Musiker spielten auf verbeulten oder geflickten Instrumenten, die schon bessere Tage gesehen hatten. „Genau das verleiht den Sounds die einzigartige Patina. Keine zwei Akkorde sind gleich, Metronome sind unnötig. Effekte sind überflüssig, alles wird akustisch eingespielt. Selbst die verzerrten Gitarren klingen natürlich. Selbst wenn die Gitarren nicht gestimmt sind, spielen sie richtig.” Instinktiv, im Moment verhaftet und präzise.

Das Spektakel beginnt mit dem Orchester La Katuba, die sich nach einem riesigen Ghetto in Lubumbashi benannt haben, in dem Balojis Mutter lebt. Diese spontan entstandene Afro-Soul-Jazz-Gruppe agiert auf dem Album wie der Dreh- und Angelpunkt, um den die anderen Musiker ihre rhythmische Basis und ihre Melodielinien auf viele verschiedene Arten einbinden.

Eine „Back To The Roots“-Erfahrung, die für Baloji sich eher wie ein „Back To The Future“-Erlebnis anfühlte. Hotel Impala wurde mit den afrikanischen Farben, eleganten Rhythmen und ausdrucksstarken Gitarren neu bemalt, die von den zwei, von Baloji sehr verehrten kongolesischen Musiklegenden Dr Nico und Franco vererbt wurden. „Ich habe immer von Gitarren in der Urban Music geträumt“, sagt Baloji. Er baute seine ganz eigene heterogene Welt auf, einen Soundtrack, der seine Inspiration aus der fruchtbaren Erde seiner Wurzeln nimmt und als Referenz zu seiner Heimat Kinshasa Succursale benannt ist. Die Welt eines Kindes, das im ökonomischen Exil aufgewachsen ist, eines Pan-Afrikaners, der aus der Asche von Lumumba kam, einem klugen Kopf, der die Versöhnung alter Geister sucht.

Wenn er auf Suaheli singt, der verbotenen Sprache unter Mobutu, erwidern die Musiker bei der Session in Lingala und Tshiluba als Symbol für die vielen Horizonte, die sie entdeckt haben und die Vielfalt der Register, die das neue Werk bietet: traditionelle Rumba, retro-futuristische tradi-moderne Stücke, der swingende Mutuashi, die Sébéné, der Soukous, aber auch die akustische Folk Music, der Ska Roots oder Reggae und der nigerianische Afrofunk – eine Stilvielfalt, die durch Balojis Vocals zusammengehalten wird. Der Blick ist starr auf die Zukunft gerichtet statt in die Vergangenheit. „Dieses Album musste eine Antwort auf Hotel Impala geben, aber am Ende wurde es etwas ganz Anderes.“

Eine Geschichte, die immer dieselbe ist, aber doch jedes Mal unterschiedlich. Das wäre die passende Zusammenfassung für Kinshasa Succursale. Das Album ist viel mehr als eine reine Adaption, viel besser als eine Antwort auf die Frage, „was hast du so die letzten 25 Jahre gemacht“. Wie Baloji es selbst im symbolischen Stück „Nazongi ndako / Nakuenda” sagt: „Sometimes I say to myself that it is better not to know, even if there are two sides to each story. My story is made up of loose fragments, broken like my timbre. A great distance separated us from the free zone, which separated the innocent from the victim, the right moment of opportunism, but prior to that I would never have been ready to meet my brothers after twenty-five years.”“ So zieht er mit seinen sinnlichen Sounds und spirituellen Worten einen Strich unter seine Vergangenheit. Jacques Denis

Kurzbiographie:
Baloji, dessen Name in Suaheli Zauberer bedeutet, wurde 1978 in der Demokratischen Republik Kongo geboren. Im Alter von vier Jahren kam er mit seinem Vater nach Belgien und wuchs in Liège auf. Als Jugendlicher entdeckte er den HipHop, eine Leidenschaft für das Tagging, Rap und den Tanz. Mit 15 Jahren schloss er sich dem Starflam Collective an, bekannten belgischen HipHoppern, die im Jahr 2001 mit Survivant ein Platinalbum veröffentlichten. Baloji verließ die Gruppe 2004 nach einigen Querelen und wandte sich von der Musik ab. Ein Brief seiner Mutter, die er seit 1981 nicht mehr gesehen hatte und der Gewinn eines Lyrikwettbewerbs in Paris brachten ihn wieder zur Musik zurück. Seine erste Soloplatte Hotel Impala von 2008 war sowohl eine Antwort auf den Brief seiner Mutter wie auch eine Identitätssuche für ihn. Das Album ist von Soul, Afrobeat und HipHop beeinflusst und erhielt in Belgien Gold sowie zwei Octaves de la musique (so etwas wie die belgischen Grammys) wie auch den Rapsat-Lelièvre-Preis und den Brassens-Preis für lyrisches Schreiben.

Weitere Informationen:
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