Stella Chiweshe mit Wiederveröffentlichung ihres internationalen Debütalbums im Februar 2021

33 1/3 Jahre nach der Erstveröffentlichung des wegbereitenden Albums Ambuya? von Stella Chiweshe veröffentlicht Piranha Records am 12.02.2021 ihr internationales Debüt als zu 100% aus analogen Tapes remastertes 180g Vinyl mit einer „John Peel Session“ aus dem Jahr 1988 als Bonus.

Aus der ehrerbietenden Ansprache Ambuya? („Großmutter“) mit Frage- wird dabei Ambuya! mit Ausrufezeichen, denn die „Königin der Mbira“ Stella Chiweshe hat sich dies mit ihrer Musik, aber auch mit ihrer Haltung und ihrem Durchsetzungswillen verdient. Seit mehr als fünf Jahrzehnten teilt die jetzt 74 Jahre alte Künstlerin, die seit den frühen 1980er Jahren in Berlin und Harare lebt, ihre Liebe zur spirituellen Musik ihrer Heimat Simbabwe mit Hörern und Zuschauern auf der ganzen Welt.

Sie war die erste weibliche Mbira-Spielerin, die ein internationales Publikum fand und musste dafür sehr viele Grenzen aus Tradition, hegemonialer Männlichkeit und kolonialen Regeln sowie der Gängelung durch weiße Missionare in ihrem Heimatland einreißen, bevor das möglich wurde. Bis in die 1960er Jahre durften Frauen die Mbira nicht spielen und dazu kam die Unterdrückung der traditionellen Kultur des Landes unter englischer Kolonialherrschaft: „Erst durfte man nicht mit der Mbira in der Stadt gesehen werden (das wurde mit Gefängnis bestraft)“, so Stella, „aber sobald ich sie hörte, ließ mich der Klang des Instruments nie wieder los. Ich musste sie spielen. Ich lieh mir eine, um meine Musik zu machen. Während der Zeremonien musste ich auf der Seite der Männer sitzen, was im Widerspruch zu den Gepflogenheiten der Zeit stand.“

Auch mit dem 1987 veröffentlichten Album Ambuya? riss Stella Chiweshe Grenzen ein: sie arbeitete dafür mit den britischen World-Indie-Legenden von 3 Mustaphas 3 zusammen und spielte eine elektrische (Sakrileg!) statt einer traditionell akustischen Mbira. Das Album sollte ihr den internationalen Durchbruch bringen.

Neben der Wiederveröffentlichung arbeitet Stella Chiweshe an einem Projekt, das sie zurück in die Hügellandschaft ihrer Heimat eine Stunde nordöstlich von Harare führt. Dort begann sie mit den Bauarbeiten für das Chivanhu Centre, um die traditionelle Mbira- und Shona-Kultur zu erhalten, zu vertiefen und in die nächsten Generationen weiterzutragen, ob vor Ort oder außerhalb Simbabwes. Eine Crowdfundingkampagne findet zwischen dem 19.11. und 21.12.2020 statt, um einen Teil der Infrastruktur vor Ort zu finanzieren.

Hintergrund:
Ambuya Stella Rambisai Chiweshe wurde 1946 in dem Dorf Mujumi in Simbabwe geboren. Trotz vieler Widerstände lernte sie die Mbira zu spielen und entwickelte sich schnell zu einer der gefragtesten Musikerinnen ihres Landes.

1974 nahm sie ihre erste Single „Kasahwa” auf, die Goldstatus erlangte und sie im ganzen Land bekannt machte. Mehr als zwanzig Singles und die von ihr gegründete The Earthquake Band folgten. Ein Jahr nach der Unabhängigkeit Simbabwes im Jahr 1980 wurde Stella als Mbira-Solistin, Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin Mitglied der National Dance Company of Zimbabwe und tourte mir ihr ab 1982 auf allen Kontinenten. 1983 ließ sie sich in Berlin nieder, wo sie seitdem lebt.

Neben ihrer Musik erlangte sie mit der Titelrolle der Ambuya Nehanda in einer Verfilmung über das Leben der 1897 hingerichteten Freiheitskämpferin gegen die koloniale Herrschaft große Bekanntheit.

Sie war eine der führenden Persönlichkeiten in der Gründung der Zimbabwe Musicians Union und als Direktorin des Mother Earth Trust, einem Netzwerk von Künstlerinnen in Simbabwe. Im März 2020 wurde ihr bei den National Merit Awards in Harare der „Lifetime Achievement Award“ verliehen.

Produzent Hijaz Mustapha von den 3 Mustaphas 3 erinnert sich:

1987. The call came from Berlin: Mustaphas, meet your Ambuya. At that time the young 3 Mustaphas 3 were playing many stages and many songs, mixing, matching, mutating. We had the protection of the innocent, and the confidence of everything that we didn’t know. Stella was gracious enough to invite us to her cosmos. This was her international recording debut, the premier production of Piranha Records and perhaps my first production job where I had actually dared to take a named production credit. They seemed to trust me. I tried to approach it in a serious way.

In retrospect, this was a bold request, and a first for all of us. I don’t know how many voice-mbira-dzavadzimu-marimba-hosho-electric-bass-and-drums albums had been recorded up to that point, but it was certainly the first one that any of us had tried. The good thing about doing these first leaps into new air is that no-one can say ‘that’s not how you do it’. OK, so let’s get ready.

For many, now, there is digital access to collaborative global episodes; on-line, sure sure, and bravo to the new creative frontiers and side ears. For us – trying to meet in those days – this was a real-time, analogue sonic sensory adventure, all parties willing to see what kind of soundwork would come out, if we went in with the right attitude.

No YouTube references, no digital access to recorded time in all directions; just the classic ‘Rolling!’ and off we roll, and the recording tape catches the excited electrical particles onto its welcoming matrix. The classic voice of the producer in the headphones ‘Fantastic! Do it again!’

Most regular recording sessions love the clean, and focus on the enemy: buzzing. What’s that buzz? Where’s that buzz? Great take, damn, there’s a buzz. Oh man. Can we find that buzz? Enter Stella, queen buzz-bringer. Buzzes of mbiras, marimbas, ancestral voices singing and responding through the resonators and bottle-cap zzzzzzz-harmonic enhancers. Ancestor amplifiers.

We need the buzz-aesthetic.

Audacious to try, lovely to be asked, honoured to participate, proud that it is with you again in a new millennium. Buzzes straight to your hearts. Much respect now – as then – to Stella, Virginia, Leonard, Samson, Sabah Habas and Houzam. Time spins like an album, our mbira-meetstapha kick-off of 1987 still lives and rotates with Piranha Records in 2021. Ambuya? Ambuya!

Weitere Informationen über Stella Chiweshe und über ihr Projekt Chivanhu („Menschlichkeit“):
https://www.stellachiweshe.com/ (https://www NULL.stellachiweshe NULL.com/)

STELLA CHIWESHE
Die Wiederveröffentlichung: Ambuya!
VÖ: 12.02.2021
Label: Piranha Records
Vertrieb: Indigo / K7
Formate: CD, LP (180g), digital
Katalognummer: PIR3471
EAN CD: 826863347126
EAN LP: 826863347119
Labelcode: 07717

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