Brian Eno kuratiert Fela Kuti 7-CD-Box

Die Serie der Fela Kuti-Reissues bei Knitting Factory endet am 17. Oktober 2014 mit einem Vinyl-Box-Set, das von Brian Eno zusammengestellt wurde. Nach Fela-Boxen, die von Questlove und Ginger Baker kuratiert wurden, ist es die dritte Vinyl-Box in der Reihe. Eno suchte sich die Alben London Scene (1971), Shakara (1972), Gentleman (1973), Zombie (1976), Upside Down (1976), I.T.T. (1980) und Afrodisiac (1973) aus, die alle ihr Originalartwork enthalten, und schrieb das Vorwort des 12-seitigen Booklets, das außerdem mit ausführlichen Kommentaren des Historikers Chris May, den Songtexten sowie einem exklusiven A2-Poster ausgestattet ist.

Brian Eno über Fela Kuti: “I remember the first time I listened [to Fela’s album Afrodisiac] and how dazzled I was by the groove and the rhythmic complexity, and by the raw, harsh sounds of the brass, like Mack trucks hurtling across highways with their horns blaring. Everything I thought I knew about music at that point was up in the air again.”

Brian Enos Auswahl für die Box startet mit dem 1971er Album Shakara und endet mit dem 1980er Album I.T.T. (International Thief Thief) – damit suchte er sich das Jahrzehnt aus, in dem Felas Afrobeat sich mit Africa 70 (später zu Afrika 70 umbenannt) zur vollen Reife entwickelte und die größten musikalischen und politischen Verwandlungen durchlief.

Hier der Titel “Shakara”:

Mit Shakara, Fela’s London Scene, Afrodisiac und Gentleman präsentiert Brian Eno vier Schätze aus der Zeit, in denen Fela begann, die unterschiedlichen Charakteristiken des Afrobeat in seiner Musik zusammenzusetzen – die Rhythmusmuster, die in sich verzahnten Tenor- und Rhythmusgitarren, die Call- and Response-Vocals, das gebrochene Englisch statt Yoruba als Sprache in den Texten, die Bläserarrangements und nicht zuletzt die politische Botschaft. Das erste vollständige Afrobeat-Rezept stellt Felas Album Alagbon Close von 1974 dar, aber die von Eno ausgewählten Alben legten vorher das Fundament dafür.

Die Veröffentlichungen Shakara und Gentleman enthalten Fela Kutis treffendste Texte. „Lady“ aus dem Album Shakara richtet sich an die afrikanischen Frauen und ist einer seiner ersten Spottsongs über importierte europäische Kulturwerte sowie eine frühe Anerkennung der traditionellen afrikanischen Kultur. Auf dem Titelstück von Gentleman wendet sich Fela wiederum den afrikanischen Männern zu und verspottet ihre europäische Kleidung, die so gar nicht zum tropischen Klima passen will. Das Problem, das beide Geschlechter teilen, so Fela, war ein kultureller Minderwertigkeitskomplex, den zuerst die frühen europäischen Kolonialmächte und später eine in Europa ausgebildete, postkoloniale Herrscher-Elite den Afrikanern einprägten.

Wenig überraschend, aber falsch ist die Annahme westlicher Beobachter, dass der Titel „Lady“ aussage, Fela stünde der freien Meinungsbildung von Frauen feindlich gegenüber. Felas politische Ansichten wurden ganz im Gegenteil von zwei Frauen stark geprägt. Seine Mutter Funmilayo Ransome Kuti war eine Freundin von Kwame Nkrumah, dem ersten Präsidenten im unabhängigen Staat Ghana, ein prominenter Aktivist für die nigerianische Unabhängigkeit. Felas langjährige Freundin Sandra Izsadore war eine afro-amerikanische Aktivistin, die Fela 1969 während seiner langen US-Tournee mit Koola Lobitos kennenlernte. Izsadore machte ihn mit den Werken von zeitgenössischen afro-amerikanischen Aktivisten wie Malcolm X oder Angela Davis bekannt und seine politischen Ansichten kristallisierten sich so immer schärfer heraus, bis er um die Mitte des Jahrzehnts seine pro-schwarze, aber nicht anti-weiße Philosophie des „Blackism“ entwickelt hatte.

Das fünfte Album in Brian Enos Auswahl, Upside Down, wurde 1976 während einer Nigeriareise von Izsadore eingespielt und sie ist auf dem Titelstück an den Vocals zu hören. Felas Texte hatten sich bis zum Jahre 1974 von gutgelaunten Satiren über post-koloniale Fehltritte hin zu heftiger Kritik an den korrupten militärischen und wirtschaftlichen Eliten in Nigeria entwickelt, was sich auch auf Upside Down zeigt, auf der er Kritik am Regierungsstil und der zivilen Infrastruktur übt.

Kurz nach Erscheinen von Upside Down änderte Fela seinen Mittelnamen von Ransome, den er für einen Sklavennamen hielt, zu Anikulapo und afrikanisierte die Schreibweise von Africa 70 in Afrika 70. Damit signalisierte er eine weitere Intensivierung seiner Opposition zum nigerianischen militärisch-industriellen Machtkomplex.

Das sechste Album aus Enos Auswahl ist Zombie aus dem Jahr 1976, sein bis zu diesem Zeitpunkt sicherlich mutigstes Album. So war es wohl kein Zufall, dass am 18. Februar 1977 mehr als 1000 Soldaten die sich selbst als unabhängig erklärte Republik Kalakuta angriffen und zerstörten, bis dahin ein Lebens- und Arbeitsraum der erweiterten Afrika 70-Familie. Während des Angriffs wurde Felas damals 77-jährige Mutter aus dem Fenster geworfen und starb im Jahr darauf an den Folgen des Traumas, das sie an diesem Tag erlebt hatte.

I.T.T. aus dem Jahr 1980 ist eines der ersten Alben, das Fela nach dem Ende von Afrika 70 mit seiner neuen Band Egypt 80 einspielte. Auf dem Album gibt es nur einen Song – ein längeres Instrumental auf der A-Seite und auf der B-Seite mit Lyrics, in denen er den nigerianischen Präsidenten General Obasanjo als direkten Verantwortlichen für den Tod seiner Mutter angreift.

Weitere Informationen zu Fela Kuti:
Soundtrack “Finding Fela” Pressetext: http://www.ub-comm.de/?p=1964
Vinyl-Reissues: http://www.ub-comm.de/?p=2019
Web: http://www.fela.net (http://www NULL.fela NULL.net)
Facebook: https://www.facebook.com/felakuti (https://www NULL.facebook NULL.com/felakuti)
Twitter: https://twitter.com/felakuti (https://twitter NULL.com/felakuti)

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