Rätselhaftes von Philip Zoubek Trio Ende Oktober 2026 bei Boomslang Records

Das 2015 gegründete Philip Zoubek Trio hat bislang fünf Alben veröffentlicht. Mit ENIGMA erscheint Ende Oktober 2026 das bis dato konsequenteste Studioalbum in der Entwicklung des Ensembles.

Über die Jahre hat das Trio die klassische Besetzung aus Klavier, Bass und Schlagzeug eigenwillig und beharrlich erweitert: um Synthesizer, Effektgeräte, Xylophon und Blockflöte. ENIGMA setzt diesen Weg fort – und verdichtet ihn.

Ein zentrales Thema der kompositorischen Arbeit von Philip Zoubek ist das Verhältnis zwischen akustischem und elektronischem Klang. Nicht als bloße Kombination zweier Welten, sondern als produktive Spannung: Verschränkung, Gegenüberstellung, gegenseitige Färbung und Destabilisierung. Wie lässt sich der akustische Klavierklang durch Elektronik subtil verstimmen, aufrauen, ins Wanken bringen? Wie kann ein elektronischer Impuls in akustische Strukturen einschlagen und sie von innen heraus verwandeln?

Besetzung:
Philip Zoubek – Klavier, Synthesizer, Komposition
David Helm – Kontrabass, Effekte
Dominik Mahnig – Schlagzeug, Tischxylophon, Flöte

Oft spielt Zoubek mit der linken Hand Klavier, während er mit der rechten den Synthesizer bedient. Aus diesem simultanen Zusammenspiel entsteht ein hybrider Klang, der zwischen den Temperamenten changiert – von brutalen Glissandi und perkussiven Attacken über kammermusikalisch zarte, Marimba-artige Texturen bis hin zu glockenartigen Resonanzen und verzerrten Riffs.

Ähnliches gilt für den Kontrabass: Auch David Helm verfügt über ein weitreichendes Arsenal an Effekten – Distortion, Ringmodulator, Octaver –, mit dem er den klanglichen Raum in beide Richtungen auslotet: ins Brutale wie ins Filigrane.

Und auch Dominik Mahnig denkt das Schlagzeug über seine rhythmische Funktion hinaus: mit feinem Gespür für Klang und Melodie, etwa am Tischxylophon, öffnet er eine kammermusikalische Dimension des Trios.

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Das Titelstück „Enigma“ entstand fast beiläufig. Beim Improvisieren mit Klavier und Synthesizer entdeckte Philip Zoubek bestimmte Programmierungen, in denen sich akustischer und elektronischer Klang auf eine Weise verbanden, die ihn nicht mehr losließ. Aus diesen Sitzungen kristallisierten sich wiederkehrende Klangtypen heraus, die heute das Zentrum des Stücks bilden: Glissandi unterschiedlichster Temperamente, gegeneinander verstimmte, fast naive Melodien, perkussive Texturen, Loops, verzerrte Riffs.

Diese Elemente durchziehen das gesamte Stück, das sich in mehrere Teile gliedert – eigenständige Kapitel einer größeren Erzählung, die untrennbar miteinander verbunden sind. Teilweise folgt ein Abschnitt organisch aus dem vorherigen, teilweise sind die Teile auf formal komplexere Weise miteinander verschränkt – als Kontrast, als Bruch, als langsames Hinübergleiten. Gerade durch dieses immer neue Zurückkehren in vertraute Klangzonen entsteht das Enigmatische des Stücks.
ENIGMA wurde am 16. Juni 2025 im Kölner Loft aufgenommen. Toningenieur war Stefan Deistler; Mix und Mastering übernahm Jan Philipp.

Weitere Informationen:
https://www.philipzoubek.com/projects/philip-zoubek-trio

Tourdaten:
07.08.2026 A-Bezau / Bezau Beats Festival
04.11.2026 Wuppertal / Loch Wuppertal
05.11.2026 Neukirchen-Vluyn / Freiraum Klingerhuf
07.11.2026 Köln / Loft Köln
09.12.2026 Bonn / In Situ Art
10.12.2026 NL-Eindhoven / Muziek Pavilion
11.12.2026 Berlin / Sowieso
Die Tour wird fortgesetzt.

Philip Zoubek in seinen eigenen Worten über das Album:

Schon seit Jahren beschäftige ich mich mit Klangforschung: Synthesizer, präpariertes Klavier und, in jüngerer Zeit, vor allem die Verbindung von elektronischen und akustischen Klängen. Die Idee zu ENIGMA entstand dabei eher nebenbei.

Während die erste Platte des Philip Zoubek Trio noch vergleichsweise konventionell angelegt ist, rückt bei ENIGMA die Klanglichkeit der einzelnen Stücke stärker in den Vordergrund. Beim Improvisieren mit Synthesizer und präpariertem Klavier im Proberaum entstanden Klänge, die mich immer mehr beschäftigten und schließlich zur Grundlage eines mehr als 40-minütigen Triostücks wurden.

Mich interessiert, wie die beiden Instrumente sich gegenseitig verändern. Zudem fasziniert es mich, den Synthesizer akustisch klingen zu lassen – ähnlich einem präparierten Klavier. Zugleich färbt, verstimmt und verdichtet er den Klavierklang. Umgekehrt gibt der Klavierton, insbesondere sein Attack, den Synthesizerklängen Kernigkeit und Punch. So entsteht ein Hybridklang, bei dem oft offenbleibt, welches Instrument gerade im Vordergrund steht.

Aus diesen Experimenten entwickelten sich Klänge, Shapes und Zustände, die sich nach und nach zu Klanggruppen und unterschiedlich temperierten Klangräumen verdichteten. Sie bilden das Rückgrat des Stücks, tauchen im Verlauf immer wieder auf, verändern sich und treten in neue Beziehungen zueinander.

Dazu gehören fast naive, verstimmte Melodien, Glissandi in verschiedensten Variationen, verzerrte Riffs, perkussive und Marimba-artige Klänge sowie einfache rhythmische Zellen, die sich im Verlauf des Stücks weiterentwickeln.

Diese Klangwelt setzt sich auf Schlagzeug und Bass fort. Beide Instrumente erweitern bestimmte Aspekte des Stücks und stützen sie. Der akustische Bass arbeitet mit Distortion, Ringmodulatoren und einem Octaver, um gegen die Massivität des Synthesizers anzukommen. Das Schlagzeug greift mit einem Tischxylophon die Marimba-artigen Klänge des Synthesizers auf.

Vielleicht verweist auch der Titel ENIGMA auf eine Vorliebe für das Labyrinthische, das Undurchsichtige und die falsche Spur – in Kunst und Film ebenso wie in der Musik. Im Stück geht es um Formen und Klänge, die manchmal klar und eindeutig erscheinen, sich dann aber verschieben, brechen oder in eine andere Richtung führen, als zunächst erwartet. Mit solchen kubistischen Formen und Klängen spielt ENIGMA.

Hintergrund:

Der in Österreich geborene Pianist, Komponist und Klangforscher Philip Zoubek ist eine der führenden Stimmen der europäischen Szene für Improvisation und zeitgenössische Musik. Er ist bekannt für seinen charakteristischen Umgang mit dem präparierten Klavier und für die Verschmelzung akustischer und elektronischer Klangwelten.
Er hat mit einer Vielzahl wegweisender Musiker*innen gearbeitet, darunter Tony Buck, Christian Lillinger, Ingrid Laubrock, Paul Lovens, Xavier Charles, Tom Rainey und Jozef Dumoulin. Mit seinem offenen Klangverständnis lotet Zoubek kontinuierlich neue Räume zwischen Improvisation, Komposition und Klangkunst aus. Zu seinen aktuellen Projekten gehören das Philip Zoubek Trio, TAU, Buck–Hautzinger-Schick-Zoubek und das Duo mit dem neuseeländischen Saxophonisten Hayden Chisholm. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet. Mit seinen vielfältigen Projekten ist er von Asien über Nord- und Südamerika, Afrika und Europa getourt.
Seit 2017 kuratiert Philip Zoubek außerdem die Konzertreihe „Facetten“ im Kölner Loft. https://www.philipzoubek.com/

Der in Köln und Berlin lebende Multi-Instrumentalist David Helm begann seine musikalische Laufbahn bei den Limburger Domsingknaben. Im Kontrast dazu gab er sich in dieser Zeit dem Klang krachiger Bands auf matschigen Kleinstadt-Punkrockfestivals hin. 2015 schloss er sein Kontrabass-Studium an der HfMT Köln ab. Als hochgelobter Kontrabassist und Improvisator erhielt er 2019 den Kölner Jazzpreis. David ist auf über siebzig Aufnahmen zu hören und konzertiert weltweit mit zahlreichen Bands in verschiedensten musikalischen Kontexten, alles ist möglich.
Seine eigenen Projekte umfassen derzeit das frei Improvisierende Duo mit der Pariser Pianisten Jozef Dumoulin, in dem David Helm sich der Klangkunst mit Stimme, Gitarre, Objekte und
Elektronik widmet. Das Debutalbum No-Eyed Deer ist 2022 auf dem Berliner Label Anunaki Tabla erschienen. Im selben Jahr veröffentlicht David als Singer-Songwriter unter dem Namen
MAREK JOHNSON das Album At Home Again, Singing auf dem Kölner/Berliner Label Paper Cup Records. https://davidhelm.net/

Der Schweizer Schlagzeuger Dominik Mahnig absolvierte ein Bachelorstudium in Luzern und ging dann nach Köln, wo er an der HfMT 2012 sein Master-Studium abschloss. Auf mehr als dreißig Tonträgern ist Mahnig vertreten und war außerdem in zahlreichen Radio- und Konzertproduktionen tätig. Er ist Mitakteur in Projekten wie The Great Harry Hillman, Zooom Trio, Placebo Domingo und The True Harry Nulz.
Neben dem akustischen Schlagzeug erforscht er die Verbindung von Percussion und Elektronik (z. B. Eurorack) und entwickelt so elektroakustische Klangräume. Zu seinen Auszeichnungen zählen der ZKB Jazzpreis (mit The Great Harry Hillman, 2015), der Neue Deutsche Jazzpreis 2017 mit dem Tamara Lukasheva Quartett sowie das Horst-und-Gretl-Will-Stipendium der Stadt Köln im selben Jahr. Mahnig arbeitete und konzertierte mit Musiker:innen wie Simon Nabatov, David Helm, Philip Zoubek, Frank Gratkowski, Tamara Lukasheva und vielen anderen. Sein Spiel zeichnet sich durch hohe Sensibilität, interaktive Klanggestaltung und ein Gespür für texturale Dichte aus. https://www.dominikmahnig.com/

Philip Zoubek Trio
Das neue Album: ENIGMA
VÖ: 30.10.2026
Label: Boomslang Records
Vertrieb: Galileo
Katalognummer: Boom2440
UPC: 9120011932440
Formate: CD, digital
Label Code: 09496

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