Musikalisches Hörstück von Stepha Schweiger
nach dem Text
„The Mark on the Wall” von Virginia Woolf
Stepha Schweiger ist Avantgarde-Komponistin, Produzentin, Pianistin/Keyboarderin und Singer/Songwriterin in den Bereichen Neue Musik, Experimentelle Musik, Free Jazz, Song, Indie-Pop, Minimal, Conceptual, Industrial, Natural Tuning und Spektralmusik. Sie studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Linguistik, gefolgt von Komposition an der Universität der Künste Berlin, wo sie mit Diplom und dem Titel „Meisterschülerin“ abschloss, und heute lebt.
Ihr Werk The Mark on the Wall wurde sowohl konzertant als auch szenisch erfolgreich in London, Berlin und Ulm aufgeführt und erscheint nun in der Studioaufnahme mit Anna Clementi, Leo Chadburn, Ziv Frenkel und dem European Music Project unter der Leitung von Chatschatur Kanajan als Doppel-CD.
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Ein Gedankenstrom, ein innerer Monolog, der durch die Musik nach außen tritt – ein Aufbruch: In The Mark on the Wall entfaltet Stepha Schweiger Virginia Woolfs ikonische Stream-of Consciousness-Kurzgeschichte von 1917 als musikalisches Ereignis von seltener Dichte und Suggestivkraft. In der Geschichte sitzt die Ich-Erzählerin in einer schier endlos erscheinenden Zeit nach dem Nachmittagstee im Sessel und denkt über ein kleines Objekt an der Wand nach, das sich erst ganz am Ende mit dem Hereintreten einer Person als Schnecke herausstellt. Dabei schweift die Person immer wieder ab, und taucht schließlich – abseits der realen Welt im Krieg – vollkommen in ihren Tagtraum ein.
„Den elementaren Bodenstoff dieses Gedankenstroms, der durch Ur-Tiefen und Naturalismen entlang der Abbruchkanten einer sich verändernden Gesellschaft führt, lieferte allerdings die Komposition. Stepha Schweiger ließ das Ensemble unter der Leitung von Chatschatur Kanajan atmen, tasten, schweben….“
Südwest Presse
Eingängige Melodien, Klangflächen, mikrotonale Schattierungen, kräftige Rhythmen, Soundwalls, jazzige Coolness, mikrotonale Farben, Sprechstimmen, spannende Songs, fragile Klangmuster und elektronische Texturen verbinden sich zu einem atmosphärischen Gefüge aus Spoken Word, Song, Neuer Musik, Natural Tuning, Industrial, Kammer-Pop und Experimenteller Musik.
„Eine Musik zwischen Aufbruch und Retro-Effekt, zwischen lichter Experimentierfreude und klassischem Zuschnitt.“
Augsburger Allgemeine
Klanglich getragen wird das Werk von Klarinette, Akkordeon, E-Gitarre, Schlagzeug, Klavier, Viola, Kontrabass und Elektronik. Mit der eigens für sie komponierten Partiturstimme agiert die renommierte Vokalartistin Anna Clementi zusammen mit dem Londoner Vokalperformer Leo Chadburn und Ziv Frenkel. Alle drei stellen unterschiedliche Facetten der Ich-Erzählerin dar. Leo Chadburn fungiert als Anna Clementis stimmliches Alter Ego. Ziv Frenkel, auf der Bühne Tänzer, spricht in einem Schlüsselmoment gegen Ende von Akt IV seine einzigen Worte im ganzen Stück: „The Mark on the Wall“. Dieser Satz wirkt wie ein gewaltiges Innehalten, um im Anschluss in das Finale des Tagtraums überzugehen, noch tiefer zu schweifen und vollkommen in die Natur einzudringen.
Die Natur-Ebene am Ende der Geschichte findet ein Pendant in der Stimmung der Instrumente, denn einzelne Saiten von E-Gitarre, Viola und Kontrabass werden ab der Mitte des musikalischen Geschehens von den Spielern – während das Stück weiterläuft, sozusagen integriert in die Komposition – nahezu unmerklich leicht verstimmt hin zu einer speziellen natürlichen Stimmung. Die Partiturstimmen der anderen Instrumente und der Sängerin wurden dieser Stimmung angepasst. Das tonhöhenfixierte Klavier wird statt über die Tasten am Korpus geräuschhaft gespielt, bevor es schließlich ganz verklingt.
Schweigers Komposition folgt dem Originaltext in seiner Abfolge: feinfühlig gegliedert in fast nahtlos ineinander übergehende fünf Akte, die den inhaltlichen Zäsuren von Virginia Woolf nachspüren und diese bedachtsam in unterschiedlich weite und lange musikalische Räume hineinströmen lassen. Dabei vollziehen sich Erkenntnisprozesse in Zeitlupe – tastend, träumend, seismografisch. Der musikalische Duktus schöpft aus Traditionen ebenso wie aus gegenwärtigen Strömungen und zeigt sich dabei konsequent offen, zielstrebig und vorwärtsgerichtet für Klang, für Transformation. Die Kurzgeschichte wird von Stepha Schweiger zu einer spannenden immersiven Hör-Szene mit immer wieder überraschenden Texturen interpretiert und dabei in einen futuristischen Kontext gesetzt.
„Die Story hat mich von Anfang an in ihren Sog gezogen und betört mit ihrer Langsamkeit und Gewandtheit, die Gedanken entstehen zu lassen und weiterzuentwickeln, dann überzugehen in ein neues Thema: Eine Person beginnt zu denken und landet in einem starken Tagtraum. Meine Musik betont die einzelnen Phasen dieses Geschehens subtil oder extrem, wie im Falle der Kriegskonnotation, und führt immer tiefer – weg von der Realität. Die erlebende Person fühlt sich in einem musikalisch besonders subtilen Schlüssel-Moment so als sei sie unter Wasser, bevor sie weiter in die Natur eintaucht, um in diesem ganzen Zeitverlauf neue Erkenntnisse zu gewinnen. Solch eine Befähigung für sich allein ist wieder bedeutsam, gerade in unserer Zeit.“
Stepha Schweiger
Entstanden ist ein Werk, das sich jeder simplen Kategorisierung entzieht und gerade dadurch besticht. Ein musikalisches Hörstück von großer Immersion und poetischer Wucht, das sich mit feiner Sensibilität über Genregrenzen hinwegsetzt und einlädt zu einer Reise durch Imagination, Introspektion und klangliches Neuland.
„I’m going out to buy a newspaper.“
„Yes?“
Though it’s no good buying newspapers…. Nothing ever happens. Curse this war; God damn this war!… All the same, I don’t see why we should have a snail on our wall.“
“Ah, the mark on the wall! It was a snail.“
(Virginia Woolf, „The Mark on the Wall”)
Aufführungen (2017–2019):
Tête à Tête – The Opera Festival London (konzertant) · AckerStadtPalast Berlin · KlangHaus Festival Ulm · Theater im Delphi Berlin (jeweils szenisch)
Studioaufnahme:
Traumton Studios, Berlin, Aufnahme / Mischung: Martin Offik; Mastering: CALYX Berlin
Besetzung:
Stepha Schweiger (Komposition, Produktion); European Music Project / Anna Clementi / Leo Chadburn / Ziv Frenkel / Chatschatur Kanajan et al.
Weitere Informationen:
https://www.lst-records.com/
https://www.stepha-schweiger.de/
Stepha Schweiger
mit: European Music Project / Anna Clementi / Leo Chadburn / Ziv Frenkel / Chatschatur Kanajan et al.
Das Album: The Mark on the Wall
VÖ: 04.12.2026
Label: L’ST records
Vertrieb: Broken Silence
Formate: 2CD, digital
Katalognummer: 07214 CD
EAN: 42501372721146 (CD)
LC: 91636
Siehe auch:
The Moon Is No Door – Tiny Moment: https://www.ub-comm.de/?p=6665


