Eigentlich sollte das neue Album des
dreisprachigen Singer-Songwriters George Leitenberger Time to Shine heißen. Berlin, wo George viele Jahre gelebt hat, war nur eine Facette von vielen. Doch am Abend vor den Aufnahmen im Silberblick-Musikstudio in Weißensee passierte das Unvorhersehbare: Ein zufälliges Rencontre mit der großen, einstigen „Berliner Liebe“ – jener Frau, mit der die wildesten Funken und die schlimmsten Fetzen flogen. Das Wiedersehen verlief überraschend angenehm, die Nachbeben folgten auf dem Fuß.
In Prag, kurz nach den Sessions, brach der emotionale Wirbelsturm los. Die 80er- und 90er-Jahre drängten wie kalter Wind zurück in die Bel-Etage des Bewusstseins und begannen, durch die weniger aufgeräumten Katakomben der Erinnerung zu pfeifen. Spätestens dann war klar: „Um Berlin kommste nicht ‘rum.“ Aus Time to Shine wurde BERLIN REVISITED.
Musikalisch schlägt das Album die Brücke zwischen melancholischem Tiefsinn, politischer Haltung und mitreißender Energie. Angeführt wird es von zwei musikalisch packenden Berlin-Stücken: Das treibende, englischsprachige „On your Night out in Berlin“ fängt die Katharsis und Befreiung der Berliner Partynächte ein („the one you were just died, and now you’re trying to fly“).
BERLIN REVISITED
Ein musikalisches Roadmovie zwischen Rausch, Reife und Vergänglichkeit
Dem gegenüber steht das kraftvolle, deutschsprachige „Berlin, Berlin“, das das rohe Lebensgefühl in der geteilten Stadt kurz vor dem Mauerfall beschwört – jene rastlose Ära, deren besonderer Zeitgeist das radikale Ausprobieren auf allen Ebenen begünstigte. Es war ein Biotop für Suchende, eine „Kanarienvogelwelt” („Ferner liefen”), in der Identitäten fließend waren West-„Berlin, ’n Bunker, ’n Zoo mit Bär / Heute warste die und morgen warste der / Mit und ohne Maske, verkleidet oder mehr / Hinter einem eig’nen Leben her“).
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Diese beiden Dynamiken münden schließlich in das inhaltliche Herzstück des Albums: das fast 15-minütige Epos „Ferner liefen (Berlin revisited)“. Geschrieben in der schneeverwehten Prager Straßenbahnlinie 12, verwebt es das aktuelle Wiedersehen mit der Ex und das heutige Berlin mit dem damaligen Hunger nach einem freien Künstlerleben und der gleichzeitigen Sehnsucht nach bürgerlicher Geborgenheit.
Dass das Leben trotz aller Schwere auch gefeiert werden will, beweist ein mitreißender Shuffle im Stil von Big Bill Broonzy: Ein Song, der gute Laune verbreitet und die unbeschwerte „Easy Time“ mit Freunden beschwört – draußen am Fluss, beim Lagerfeuer, einem guten Glas Irgendwas und handgemachter Musik.
Die Reise des am 22.01.2027 erscheinenden Albums geht weit über die Grenzen Berlins hinaus, was Stücke wie „Night Train“ beweisen, eine hypnotische Melange aus orientalischen Klängen und Tulsa-Grooves im Stil von J.J. Cale. Ein französischsprachiges Chanson bringt eine ganz eigene, intime Nuance in das Werk: „Comme autrefois“, das mit Zeilen wie „Ta robe, ton sourire, et tes lèvres rouges…“ die Sehnsucht nach dem eleganten Stilbewusstsein vergangener Tage heraufbeschwört, wogegen das leicht majestätische „Léman“ dem nur schwer in Worte zu fassenden Wunder des Genfer Sees in der nicht mehr ganz so neuen Heimat des Musikers gewidmet ist.
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Wie hellwach George Leitenberger das Zeitgeschehen beobachtet, zeigt die klassische Ballade „Running Deep“. Der Song schlägt eine Brücke zur deutschen Geschichte und erinnert an die mutige Haltung Willy Brandts, die dieser mit seinem historischen Kniefall von Warschau still und doch unendlich laut demonstrierte. Ein zutiefst bewegendes Statement, das eine scharfe Parallele zum lautstarken Leugnen der Realität vonseiten der zeitgenössischen extremen Rechten zieht. Über die rücksichtslosen, globalen Auswüchse von Macht und religiösem Wahn reflektiert der Künstler in „God with a Gun“. Angesichts des katastrophalen Zustands der Welt stellt Leitenberger die fundamentale Frage, was für ein Gott das sein muss, der solche Wahnsinnigen gewähren lässt – und findet die bittere, zynische Antwort im Titel des Songs.
Es ist genau diese unvorhersehbare stilistische Vielschichtigkeit – zwischen schmutzigem Grunge, elegantem Chanson-Jazz, erdigen Shuffles, lockeren Lovesongs und der literarischen Schärfe der Brecht/Weill-Tradition –, die das Album eigen und trotzdem aus einem Guss macht.
Roddy McKinnon, George Leitenbergers langjähriger musikalischer Partner, fasst das Werk nach dem ersten Hören in einer Nachricht perfekt zusammen:
„BERLIN REVISITED: Ein Album, das Leitenbergers vielseitigen musikalischen Leitmotiven treu bleibt – von den Berliner Anfängen bis zu den Ufern des Genfer Sees in seiner neuen Heimat –, mit Leitenbergers unnachahmlicher Art, Geschichten von wilden Partys, durstigen Reisen, harten Wahrheiten und den Höhen und Tiefen der Liebe heraufzubeschwören. Berlin revisited, gewiss … aber nur, um wieder zu gehen. Eine Ode an die sanfte Akzeptanz vergangener Zeiten und des Vergehens der Zeit…“
Als diskretes Leitmotiv findet sich unter der CD ein Zitat unbekannter Herkunft, das die emotionale Gratwanderung des Werks kaum besser zusammenfassen könnte:
„Desire is a cage that looks like freedom“
BERLIN REVISITED ist keine nostalgische Postkarte, sondern ein poetisches Dokument des Aufbruchs, des Bleibens und des Weiterziehens.
Besetzung:
George Leitenberger: Vocals, Gitarren, Gimbri, Ukulele, Mundharmonika, Maultrommel
Andreas Albrecht: Schlagzeug, Percussion, Rhodes, Klavier, Mallets, Backing Vocals
Klaus Eichberger: Klavier, Orgel, Akkordeon
Tobias Fleischer: E- und akustischer Bass
Roddy McKinnon: Acoustic Slide und E-Gitarren
Gäste:
Nadine Allal: Backing Vocals („Coolest Thing“, „Léman“, „Shadows in Venice“, „Comme autrefois“)
Kirsty Griffiths: Celtic Harp („Léman“), Vocals & Fiddle („Run away with Me“)
Pier Angelo de Lazzer: Bouzouki („Shadows in Venice“)
George Leitenberger live:
29.01.2027 Berlin / Zebrano Theater (Record Release Konzert)
Weitere Informationen:
http://georgeleitenberger.com/
GEORGE LEITENBERGER
Das neue Album: BERLIN REVISITED
VÖ: 22.01.2027
Label: Silberblick Musik Berlin
Formate: CD, digital
EAN/UPC CD: 4260000320607
Katalognummer: SBM 60
Vertrieb: Broken Silence
Labelcode: 12028
Siehe auch:
George Leitenberger – Blackbox (2020): https://www.ub-comm.de/?p=5665
George Leitenberger – Roadmovies (2023): https://www.ub-comm.de/?p=6955
George Leitenberger – A road-trip through Morocco (2025): https://www.ub-comm.de/?p=8087

