Yusuf Sahilli mit neuem Album FAKE im September 2021

Schon die letzten beiden Alben von Yusuf Sahilli erhielten bundesweit viel Aufmerksamkeit. „Smarter Folkpop“ urteilte die dpa, eine „ausdrucksstarke Stimme“ fand Eclipsed und Stereo schrieb: „handgemachte Popmusik, deren positive, heiter-gelassene Stimmung prompt auf den Hörer überspringt“.

Nun präsentiert der Sänger und Multi-Instrumentalist, Songschreiber und Produzent aus Berlin am 03.09.2021 das nächste Album seiner Band. FAKE ist zwar in Zeiten des Lockdowns entstanden, aber keine „Corona-Platte“, auch wenn sie musikalisch wie auch in den Texten unverkennbar von Zorn und Aufbegehren geprägt ist. Zehn Songs zwischen knapp zwei und gut dreieinhalb Minuten Länge, die den Geist des Punks und des US-Westküstensounds Ende der 1980er atmen: gradlinig und lebendig, offensiv und energiegeladen, dabei handwerklich gekonnt und weit entfernt von rotzigem Dilettantismus. Ein solcher würde den Bandmitgliedern Yusuf Sahilli, Martin Krümmling und Damian Giambazi sowieso nicht von der Hand gehen: „Natürlich sind wir noch die gleichen Musiker“, grinst Yusuf Sahilli, „wir spielen jetzt nur intuitiver, direkter und etwas härter. Und wir haben uns davon befreit, immer perfekt sein zu müssen.“

Dazu gehören auch studiotechnische Aspekte, etwa der Verzicht auf Klick und Metronom. „Wir haben die heutzutage weithin übliche Ordnung bei einer Produktion einfach mal über Bord geworfen“, konstatiert Sahilli zufrieden. Dass die Band damit eine antizyklische Haltung zur aktuellen Ästhetik von Radio bis Streamingplattformen einnimmt, ist beabsichtigt. „Wir machen ja Musik, auf die wir Lust haben und nicht mit dem Kalkül, einen Markt zu erreichen“, unterstreicht Sahilli. „Wenn du heute mit einer Gitarre zu einem Songschreiber-Camp gehst, bist du schon der absolute Exot und wirst schräg angeschaut“, amüsiert er sich und fährt ernsthaft fort: „aber das sind ja nur Zyklen, die kommen und gehen. Wir hatten vielmehr die Idee von ‚vintage’ vor Augen: einerseits Einflüsse aus der Vergangenheit verarbeiten, andererseits in dem damaligen Spirit aufnehmen.“

Mit der Spontanität einher geht die Absage an Hierarchien. Alle drei hatten im zweiten Halbjahr 2019 und Anfang 2020 rudimentäre Demos entwickelt, die sie zu den Aufnahmesessions mitbrachten. Aus ihnen schälten sie nach und nach die endgültigen Formen der Songs heraus. Während dieses Arbeitsprozesses beschränkte sich Sahilli auf Gesang und Keyboards, während Damian Giambazi neben dem Bass auch die Gitarren-Parts übernahm. Aufgenommen wurde erneut auf dem Studioschiff MS Heiterkeit im Treptower Hafen sowie im Zeughaus in Lindau. Der Ausflug an den Bodensee hat laut Sahilli dafür gesorgt, „konzentriert und ohne die ständigen Ablenkungen in Berlin einige Tage am Stück zu arbeiten.“

Maßgeblich für den speziellen Charakter von FAKE ist auch das Spiel mit Gegensätzen. So klingt „Overture“ zu Beginn des Albums noch relativ ruhig und melodisch, knüpft damit an das „Pink Floyd-Gefühl“ (Sahilli) am Ende des Vorgänger-Albums Let’s Do That an. Später wird die Musik dringlicher, drängender, beinahe krachig wie in der ersten Single „The End Is Calling“, angetrieben vom oft wuchtig-wirbelnden Schlagzeug. Prägnante bis harsche Riffs der E-Gitarre kontrastieren zuweilen mit Keyboards in „Doomed Kids“ oder befeuern beinahe hymnische Melodien wie in „Will You Be There“. Oder sie verschlingen sich mit Meike-Lu Schneiders Violine wie in „Political Pissoir“, das am Ende unerwartet in einen 3/4-Takt verfällt und so einen nonkonformistischen Bogen von Hardcore zu Walzer schlägt.

Subversiver Humor zeigt sich auch in manchen Songtexten, selbst wenn diese teils recht scharf und unverblümt erscheinen. „Wir hatten schon früher politische Bezüge in unseren Texten, jetzt bringen wir sie direkter auf den Punkt“, fasst Sahilli die Entwicklung zusammen. Für den richtigen englischen Zungenschlag in jeder Zeile sorgt als Muttersprachler Damian Giambazi, die beiden bezeichnen sämtliche Texte als Gemeinschaftswerk. Ihre Themen reichen von Fake News und dem Gefühl, dass „alles, was uns normal erscheint, schnell vorbei sein kann“ in der ersten Single über Obdachlosigkeit, Umwelt bis zu aktuellen Kulturphänomenen. So reflektiert „Political Pissoir“ unter anderem über gemeinschaftliche Verantwortung, Anpassung und totalitäre politische Systeme. „I Wanna Be Free“ kreist um den Wunsch, der ambivalenten digitalen Welt zu entfliehen. „Einerseits treiben alle die Systeme Facebook, Instagram etc. voran, andererseits leiden viele unter deren Schattenseiten. Zum Beispiel, dass man sich wegen des Trends zur perfekten Oberfläche immer so präsentiert, wie man sein möchte und nicht, wie man wirklich ist“, erklärt Sahilli. So kommt er zu einer der wesentlichen Fragen der Gegenwart: „Welchen Quellen kann man noch trauen?“ Vieles ist ihm ein echtes Anliegen, andererseits „renne ich natürlich nicht die ganze Zeit wutschnaubend durch die Gegend.“ Er überzeichnet, wie es sich für gute Karikaturen gehört, und findet eine Balance zwischen Ernsthaftigkeit und satirischem Witz.

Diese Haltung zieht sich durch bis zum Albumtitel und Artwork. Die spielerische Umsetzung von FAKE als F*** auf dem Cover ist ebenso doppelbödig wie das gemalte Totenkopf-Motiv. Letzteres stammt vom renommierten Streetart-Künstler twoone alias Hiroyasu Tsuri, der schon frühere Alben Sahillis gestaltet hat. Über das Covermotiv hinaus hat twoone weitere ungewöhnliche Ideen für FAKE realisiert. Die teils surrealen/bizarren Pressefotos basieren auf analogen Bildern, die er mit dem Skalpell bearbeitet hat. Darüber hinaus gibt es eine spezielle Edition des Covers, nämlich hundert individuell designte Hüllen, die zusammengesetzt ein komplettes Kunstwerk ergeben.

Hintergrund:
„Viele, die meinen Namen hören, denken entweder an Rap oder Ethnomusik“, lacht Yusuf Sahilli über Gewohnheitsfallen, die auch in der Musikszene verbreitet sind. Er selbst bezeichnet sich als metropolitanen Singer-Songwriter des Indie-Pop; neben Keyboards beherrscht er alle möglichen Arten von Gitarren inklusive Banjo und Pedal Steel. Sahillis familiäre Wurzeln liegen in Syrien und der Türkei, er selbst wurde 1989 in Berlin geboren und aufgewachsen. Als Jugendlicher grub sich Sahilli durch die Rockgeschichte zurück bis in die Gründerzeit des Delta-Blues; bis heute kann er wie ein Bluesmann oder Neo-Romantiker klingen. Zwischenzeitlich lebte er in Australien und Liverpool, wieder in Berlin gründete Sahilli das Label Musszo, auf dem er seine eigenen Werke veröffentlicht und Kollegen wie Ben Barritt und Robert John Hope eine Label-Heimat bietet. Darüber hinaus gibt Sahilli seine Erfahrungen als Mentor an geflüchtete Musiker weiter.

Damian Giambazi (Gitarre & Bass) wurde im 1975 in Perth, Australien geboren. Über einen Studiengang an der Cambridge University landete er 2011 in Europa und zog weiter nach Berlin. Als Gitarrist und Komponist von Michael Squier erreichte Giambazi mit „Try Try Try“ einen Hit in den Euro Top 20. Seine Produzenten-Skills perfektionierte er u.a. in Zusammenarbeit mit Kevin Kadish (Willy Nelson, U2, Dido). Als Komponist und Produzent arbeitete Giambazi u.a. mit Stu Orchard und Robert John Hope (Plasticine Heart, 2021); darüber hinaus kreierte er die Musik zum australischen Dokumentarfilm Pearls & Backbird.

Der Schlagzeuger Martin Krümmling stammt aus Gotha und lebt seit seinem Jazzstudium in Berlin. Neben Schlagzeug spielt er auch Keyboards und singt. 2012 erschien sein erstes eigenes, in Brooklyn aufgenommenes Jazz-Album The Vision Behind; 2018 veröffentlichte Krümmling unter dem Bandnamen Hey Jetman sein Pop-Debüt. Zudem ist er gefragter Sideman im Bereich Modern Jazz, experimentelle Musik und Indie-Pop.

Hiroyasu Tsuri alias twoone wurde 1985 in Yokohama, Japan geboren. 2003 zog er nach Melbourne, wo die Kunst zu seinem primären Ausdrucksmittel wurde. 2012 absolvierte er ein Diplom für visuelle Kunst und Multimedia, im gleichen Jahr hatte er seine erste große Einzelausstellung. Seit 2014 lebt Tsuri in Berlin, mittlerweile werden seine Werke (Malerei, Zeichnung, Skulptur, ortsspezifische Installationen, Performance) international ausgestellt. Tsuris Kunst verwischt Polaritäten wie Ost und West, Atelierpraxis und Street Art, Repräsentation und Abstraktion. Als twoone unterzeichnet er großformatige Wandmalereien im öffentlichen Raum.

Weitere Informationen:
https://www.yusufsahilli.de/ (https://www NULL.yusufsahilli NULL.de/)

YUSUF SAHILLI
Das neue Album: FAKE
VÖ: 03.09.2021
Label: Musszo Records
Verlag: Edition Intro Meisel
Vertrieb: Kontor New Media / Edel
Bestellnummern: MR015
EAN CD: 4056813253696
EAN Vinyl: 4056813253702
Formate: CD, LP, digital
Labelcode: 29798

Weitere Alben von Yusuf Sahilli:
Atoms & The Void: https://www.ub-comm.de/?p=4600
Let’s Do That: https://www.ub-comm.de/?p=5474

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